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Dänische Windkraft als Vorbild Nördlicher Nachbar ist mit 20 Prozent Windkraftanteil Weltspitze

Erschienen am 14.07.09 in "Neues Deutschland"

Dänische Windkraft als Vorbild

Nördlicher Nachbar ist mit 20 Prozent Windkraftanteil Weltspitze

Von Britta Warda

Im Dezember findet in Dänemark die UN-Klimakonferenz statt. Nicht nur aus diesem Grund steht das kleine Land im Zentrum des energiepolitischen Interesses. Dänemark gilt seit Langem als Vorreiter in Sachen Windenergie. Deutschland hinkt hinterher.

Während hierzulande die Windenergie rund sieben Prozent des Strombedarfs deckt, steht Dänemark mit 20 Prozent weltweit an der Spitze. Diese Position will die dortige Regierung in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich ausbauen: Bis 2012 sollen die CO2-Emissionen um weitere 20 Prozent gesenkt werden. Dabei spielt der Bau von Anlagen im Wasser eine wichtige Rolle.

Während hierzulande die Testphase im Offshorebereich noch nicht abgeschlossen ist, hat sich die Technik in Dänemark längst etabliert. Zwei Kilometer vor Kopenhagen wurde bereits 2001 der Windpark Middelgrunden mit 20 Windrädern in Betrieb genommen. Die Anlage gilt weltweit als die erste, die wirtschaftlich arbeitet. Sie deckt drei Prozent des Strombedarfs der Stadt Kopenhagen.

Middelgrunden gehört je zur Hälfte dem staatlichen Energiekonzern DONG und einer Genossenschaft – bestehend aus 8600 Eignern, die jeweils fünf Anteile halten und jährlich eine Dividende von rund 400 dänischen Kronen pro Anteil ausgeschüttet bekommen. »Die ursprüngliche Investition von 4250 Kronen hat sich nach zehn Jahren amortisiert«, berichtet Stefan Naef, Sprecher der Bürgergenossenschaft Middelgrunden. Weil die Dänen bei der Errichtung der Windparks einbezogen wurden, ist die Akzeptanz der Windenergie größer als anderswo.

Während der nördliche Nachbar kontinuierlich daran arbeitet, durch Netzerweiterung, Verbesserung der Wettervorhersagen und den Aufbau internationaler Kooperationen den Ausbau der Windkraft voranzutreiben, befindet sich Deutschland in vielen Bereichen noch in der Planungsphase. Und das, obwohl Windräder technisch in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt worden sind. Durch sogenanntes Repowering – einer Erneuerung der Technik auf den bestehenden Flächen – ließe sich bereits heute einen Verdopplung der Leistung erzielen. Die neueste Generation der Räder ist in der Lage, auch bei lauen Lüftchen effizient zu arbeiten. Sie stellen für Vögel keine Gefahr mehr dar, da sich die Rotoren trotz höherer Leistung langsamer drehen.

Probleme gibt es aber vor allem beim Netzausbau. »Bis 2020 soll in Deutschland knapp die Hälfte des Strombedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden, davon 65 Prozent durch Windenergie«, erklärt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie. Das funktioniere aber nur, wenn gesetzlich neue Trassen genehmigt und so die Infrastruktur verbessert würde. »In Schleswig-Holstein wird seit zehn Jahren ergebnislos über den Bau von drei Trassen verhandelt«, so Albers.

Eine der größten Herausforderungen beim Ausbau der Windenergie stellt die Netzintegration von fluktuierendem Windstrom dar. Der Verbrauch sowie die Produktion von Strom aus erneuerbarer Energie unterliegt tageszeit- und klimabedingten Schwankungen, die ausgeglichen werden müssen. Kern- und Braunkohlewerke, die ebenfalls ihren Strom ins Netz einspeisen, sind unflexibel und lassen sich nicht einfach abschalten. Steht zu viel Strom aus Windenergie zur Verfügung, werden die Windparks heruntergefahren, da sonst das Netz kollabiert.

Um zu vermeiden, dass wertvolle Energie verloren geht, suchen Forscher nach Möglichkeiten, den Windstrom bei Überkapazitäten aus dem Netz zu nehmen und zu speichern. Dafür gibt es verschiedene Ansätze: Internationale Kooperation ist eine Möglichkeit, die von Dänemark bereits intensiv genutzt wird. Durch vorhandene Leitungen ist es möglich, Stromüberschüsse zwischen Handelspartnern in Skandinavien zu verschieben und beispielsweise norwegische Pumpspeicherkraftwerke zu nutzen. Solche Anlagen gibt es auch in Deutschland. Ihre Kapazitäten reichen aber nicht aus.

Dänemark arbeitet derzeit an einem Gesamtkonzept zur nachhaltigen Nutzung von Elektrofahrzeugen. Die Firma Better Place plant gemeinsam mit dem Energieriesen DONG für 2011 die Inbetriebnahme einer landesweiten Infrastruktur mit Lade- und Batteriewechselstationen. Später sollen die Batterien der Elektroautos gleichzeitig als Stromspeicher für erneuerbare Energie genutzt werden. Überkapazitäten werden in den Batterien zwischengespeichert und bei Bedarf ins Netz transferiert. Damit wäre eine neue Möglichkeit geschaffen, erneuerbare Energie ins Netz zu integrieren.