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Buchrezension: Wolfgang Michalski: Hamburg. Erfolge und Erfahrungen in der globalisierten Welt

Erschienen in Ausgabe 2/2010 MieterJournal

Buchtipp

Ökonomisch dieNase vorn

(vs) Die Wirtschaftsmetropole Hamburg ist einGewinner der Globalisierung.

Der Begriff „Globalisierung"erst seit kurzem in aller Munde, und die Diskussion über das Für und Widerdieser Entwicklung wird erst seit wenigen Jahren geführt. Das Phänomen einerzusammenwachsenden Weltwirtschaft ist dagegen bereits seit der Antike bekannt.Der Volkswirtschaftler Wolfgang Michalski versucht in seinem Buch darzulegen,dass Hamburg während seiner über 1000-jährigen Geschichte als eine von wenigenStädten auf der Welt kontinuierlich von den Entwicklungsprozessen der„Globalisierung" profitiert hat.

Bereits Anfang des 13.Jahrhunderts spielte Hamburg als Mitglied der Hanse eine zentrale Rolle imHandel in Nord- und Ostsee. Im Mittelalter avancierte die Stadt zureuropäischen Biermetropole: Rund 530 Brauereien befanden sich Anfang des 16.Jahrhunderts innerhalb der engen Stadtgrenzen. Bier zählte damals zu denGrundnahrungsmitteln und das hochwertige Hamburger Gebräu wurde sowohl in England und Russland als auch in Spanien undPortugal mit Vorliebe getrunken. Zwischenzeitlich war Hamburg das Zentrum desnordeuropäischen Tuchhandels, um dann im 18. Jahrhundert zum zentraleneuropäischen Umschlagplatz für den Zuckerhandel aufzusteigen.

Seit der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts entstanden die großen Reedereien und Kontorhäuser und brachtenes zu Weltruhm. Trotz der verheerenden Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zähltHamburg heute zu den führenden internationalen Handels- und Finanzmetropolenund ist eine der reichsten Städte Europas.

Neben einer allgemeinenWeltoffenheit, die sich in einer relativ liberalen Einwanderungspolitikniederschlug, macht Michalski als wesentliches Erfolgsrezept den Drang zuraktiven Mitgestaltung wirtschaftlicher Prozesse aus. „Hamburg war und ist eineKaufmannsstadt, die wandlungsfähig und immer innovativ war", erklärt derÖkonom. Bis zum ersten Weltkrieg gab es keine staatlichen Subventionen, umnicht mehr wettbewerbsfähige Branchen künstlich am Leben zu erhalten. Diesestrikte politische Haltung des Senats war der Grund dafür, dass sowohl dasBraugewerbe als auch die Tuch- und Zuckerindustrie schließlich ihren Niedergangerlebten.

Michalski belegt in seinerdetailreichen Abhandlung anhand von Beispielen, wie Hamburg vom Unterganganderer Handelsmetropolen, Lübeck und Antwerpen, profitierte und durch seinneutrales Verhalten bei politischen Konflikten seine ökonomische Positionausbauen und festigen konnte – etwa während des Dreißigjährigen Krieges, der weiteTeile Deutschlands zerstörte und den die Hansestadt weitgehend unbeschadetüberstand.

Es erstaunt nicht, dass derAutor, der als „Hamburger Ambassador" ehrenamtlich wirtschaftliche InteressenHamburgs im Ausland vertritt und unter anderem Direktor des Planungsstabs derOECD war, sich als überzeugter Befürworter der Globalisierung präsentiert.Kritische Töne findet man in seinem Buch so gut wie keine. Der Ökonom schildertauch die aktuelle politische Lage der Stadt sehr wohlwollend und lobt so indirektdie Arbeit des amtierenden Senats.

Gesellschaftliche Probleme,die auch in Hamburg vorhanden sind und die mit dem Phänomen der Globalisierungin Zusammenhang stehen – Umverteilung zu Gunsten einer Minderheit, Lohndumping,Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot etc. –, werden in dieser Hamburg-Historie leidervöllig ausgespart. Kontrovers diskutierte Projekte, wie den Bau derElbphilharmonie und der HafenCity preist der Autor als notwendigePrestigeobjekte an. Und die findet Bürgermeister Ole von Beust, der das Vorwortbeigesteuert hat, bekanntlich besonders toll.

Sieht man über diepolitische Einseitigkeit des Buches hinweg, sind die gut 500 akribischrecherchierten Seiten eine sprudelnde Quelle der WirtschaftsgeschichteHamburgs.

Wolfgang Michalski: Hamburg. Erfolge und Erfahrungen inder globalisierten Welt. Hamburg 2010,Murmann Verlag, 510 Seiten, 36 Euro