stahlpress

Medienbüro Hamburg

Max-B: Ein außergewöhnliches Wohnbauprojekt in Hamburg

Erschienen in "MieterJournal" 1/2011

Buchrezension

Alternatives Bauen in der Großstadt

Von Britta Warda                                 

Hamburg zählt zu den Hochburgen alternativer Bauprojekte. Die ersten gemeinschaftlich organisierten Wohnformen entstanden in den 1980er Jahren und sind aus der Hausbesetzerszene hervorgegangen. Mittlerweile gibt es etwa 120 Baugemeinschaften in der Hansestadt. Eine davon ist das viel gelobte Wohnbauprojekt Max-B. 

Auf einer infolge des Bombenkriegs entstandenen Brachfläche in Altona, die bis zum Baubeginn als Verkaufsplatz für gebrauchte Autos diente, entstand 2006 nach fünfjähriger Planungsphase ein neunteiliger Gebäudekomplex mit drei Innenhöfen. Hinter den rot leuchtenden Fassaden zwischen Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße leben heute etwa 260 Menschen in 105 Miet- und Eigentumswohnungen. Integriert in die Gemeinschaft sind zwei soziale Projekte mit psychisch kranken und behinderten Menschen.

Wie es sich anfühlt, gemeinsam ein Haus zu bauen und darin zu wohnen, zeigen die Grafik-Designerin Ingrid Lempp und die Journalistin Tina Stadlmayer im vorliegenden Buch. Die Autorinnen, die selbst in der Anlage wohnen, dokumentieren auf langen Fotostrecken die einzelnen Planungs- und Bauphasen. Sie zeigen die Bewohner bei gemeinsamen Aktivitäten und geben ihnen die Gelegenheit, über die Vor- und Nachteile des gemeinschaftlichen Wohnens zu berichten. Kritische Töne sind eher die Ausnahme, unterm Strich scheinen die meisten glücklich und zufrieden zu sein.

Viel Lob erhält die Architektin Iris Neitmann. Im einem Interview berichtet sie von der schwierigen Aufgabe, mit begrenzten Mitteln schöne und familienfreundliche Wohnungen zu bauen: „Es ist wichtig, dass der umbaute Raum zu nutzbarer Fläche wird und keine unnötigen Leerräume entstehen“, erklärt die Architektin. Um Geld zu sparen, wurden tragende Wände aus Mauerwerk unter Verwendung von möglichst wenig Stahlbeton verbaut. Flure und Treppenhäuser nehmen nur so viel Platz wie unbedingt nötig in Anspruch. Außerdem wurden kostengünstige Materialien für die Bäder verwendet – schöne Fliesen müssen nicht unbedingt teuer sein. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Projekt wurde von der Stadt Hamburg im Jahre 2007 mit der Auszeichnung „Familie gewinnt“ prämiert.

Im zweiten Teil des Buches kommen weitere Experten zu Wort. Die Stadtplanerin Kerstin Zillmann schreibt über flächenbewusstes Bauen in Metropolen. Max-B gilt als Paradebeispiel für eine nachhaltige Stadtentwicklung: „Das Baugemeinschaftsprojekt gehört zu den qualitätsvollen realisierten Beispielen, die einen Bewusstseinswandel im Flächenverbrauch praktisch zeigen“, lobt Zillmann. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit den Themen gemeinschaftliches Wohnen und Urbanität.

Trotz der vielfältigen Beschäftigung mit dem Thema „Wohnprojekt“ bleiben leider einige wesentliche Fragen offen: Der Leser erfährt nichts über die Finanzierung eines solchen Vorhabens. Gab es Zuschüsse von der Stadt? Wo liegt der Quadratmeterpreis für die Mietwohnungen, und sind diese auch tatsächlich für sozial Schwache erschwinglich? Was kosten die Eigentumswohnungen? Nicht zuletzt wäre es interessant gewesen zu erfahren, wie viele Interessenten es gab und welche Voraussetzungen einzelne Kandidaten erfüllen mussten, um mitmachen zu dürfen.  Unklar bleibt auch: Wer hat die Auswahlkriterien aufgestellt, und wer hat schließlich entschieden?

Herausgekommen ist ein bunter Fotoband über eine nette große Wohngemeinschaft, der dazu anregt, sich näher mit dem Thema „Alternatives Leben in der Großstadt“ zu beschäftigen.

Ingrid Lempp und Tina Stadlmayer: Max-B: Ein außergewöhnliches Wohnbauprojekt in Hamburg. Hamburg 2010, Junius Verlag, 127 Seiten, 19,90 Euro