stahlpress

Medienbüro Hamburg

Charly Dörfel - Freibeuter des Fußballfeldes

Erschienen am 05.10.2006 in "Die Welt"

Als sich Charly Dörfel mit "Meier" vorstellte

Das erste Buch über den legendären Linksaußen des HSV ist jetzt erschienen

Von Volker Stahl

Charly DoerfelFür viele Fußballfans ist es ein kulturgeschichtlicher Skandal, dass die Auflage der Bücher über HSV-Ikone Uwe Seeler in die Millionen geht, sein kongenialer Flankengeber Gert Dörfel aber bislang im literarischen Abseits stand. Nichts gegen den braven Kämpfer "Uns Uwe" - aber verglichen mit Dörfels schillernder Biografie ist Seelers Vita die eines Durchschnittsdeutschen, dachte sich der Agon Sportverlag und widmete den ersten Band seiner neuen Reihe "Fußballlegenden" dem langjährigen Linksaußen des HSV.

"Leben, Lieben, Leidenschaft - wer in diese Reihe aufgenommen werden will, muss diese Komponenten erfüllen", erklärte Agon-Verleger Wolfgang Fuhr gestern bei der Buchpräsentation über den "Freibeuter des Fußballfeldes".

Für den schillernden Linksaußen ist dies kein Problem. Die Liste skurriler Geschichten über den elfmaligen Nationalspieler ist lang. Ein Beispiel: Der Schiedsrichter pfeift im Volksparkstadion einen Freistoß für die Gäste aus München - eine krasse Fehlentscheidung. Linksaußen "Charly" Dörfel reklamiert und wird ermahnt: "Noch ein Wort, sonst ..." Doch der HSV-Star hat sein lockeres Mundwerk nicht im Zaum und poltert weiter. "Ihr Name?", fragt der Pfeifenmann den verdutzten Dörfel. Der knurrt "Meier" und fliegt vom Platz.

Mit Anekdoten dieser Güte ließe sich ein ganzer Zettelkasten füllen. Dörfel, der wegen seiner Schlitzohrigkeit nach der Witzfigur mit Nachnamen Brown gerufen wurde, galt nicht nur als der begabteste Linksaußen der Nachkriegsära, sondern konnte auch mit einer gehörigen Portion Showtalent aufwarten. Noch vor Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Petar Radenkovic nahm Dörfel eine eigene Schallplatte auf. "Das kann ich Dir nicht verzeih'n" schmachtete er ins Mikrofon.

Dörfel selbst bringt seine Ausnahmestellung im Fußball auf den Punkt: "Ich hätte eigentlich in Hollywood spielen müssen." Zu fünf Jahren als Profi in Südafrika und sechs Monaten in Kanada hat es für den besten Linksaußen Europas von 1965 immerhin gereicht.

Doch Autor Hans Vinke schildert auch die wichtigsten Stationen im Leben Dörfels. Er lässt ehemalige Mitspieler erzählen, führte ein Interview mit Uwe Seeler und schildert die großen Spiele. Und was sagt der Porträtierte über sich selbst: "Wo andere den Nacken haben, habe ich den Schalk."

Hans Vinke: "Charly Dörfel. Freibeuter des Fußballfeldes", Agon Sportverlag, 19,90 Euro