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Folkes Fußballwelt Chakalaka oder Chili?

Erschienen im ETV-Magazin 1/2010

Folkes Fußballwelt

Chakalaka oder Chili?

Kaum ist mal Winterpause, schon meldet sich die Welt bei einem an. Du bist Deutschland? Ach nee. Seit dem 16. Januar bin ich Südafrika. Jedenfalls in unserer 16-köpfigen Fangruppe, die sich zu fußballerischen Großereignissen versammelt, um das Kicken kochend zu begleiten. Das funktioniert einfacher als die Abseitsregel: Jeder zieht einen Teilnehmer und tischt dann zum gemeinsamen Fußballgucken landestypische Küchenspezialitäten auf – besser als allein vorm Fernseher zu hocken und leckerer als in jeder Sportsbar (das Ehrenstein natürlich ausgenommen). So schnell wird man also WM-Gastgeber, und alle Skeptiker kann ich schon mal beruhigen: Südafrika fühlt sich gar nicht schlecht an. Über das Land am Kap wird ja einiges erzählt. Überall Chaos und Gewalt, und dann sind die meisten Leute da auch noch schwarz … Ein südafrikanischer Reiseveranstalter machte sich einen Spaß aus den europäischen Vorurteilen. Einem Deutschen, der sich erkundigte, ob es in Kapstadt denn auch Supermärkte gebe und er dort ganzjährig Milch bekommen würde, wurde beschieden: »Nein, wir sind eine friedliche Zivilisation von veganischen Beerensammlern. Milch ist verboten.« Apropos Ernährung. Wer wetten will: Chakalaka ist ein ganz heißer Tipp für die Menükarte am 11. Juni – ein Paprika-Erbsen-Möhren-Gericht, das nicht nur typisch südafrikanisch, sondern auch noch vegetarisch ist. Meine Auftaktgegnerin aus Mexiko wird vermutlich ein raffiniertes Chili zubereiten, was dann in Uruguay verzehrt wird. In Uruguay? Klar, weil die Urus am WM-Eröffnungstag noch gegen Frankreich spielen und der kleine Südamerikastaat im Schanzenviertel einfach mehr Platz bietet – unser Uru hat praktischerweise einen Garten. Wem das jetzt zu kompliziert ist, dem empfehle ich, sich noch mal ganz in Ruhe die Abseitsregel anzusehen.

Guten Appetit!

Folke Havekost