stahlpress

Medienbüro Hamburg

Camlica Genclik darf wieder kicken

Erschienen am 30.10.2009 in der "Hamburger Morgenpost"

Camlica Genclik darf wieder kicken

FOLKE HAVEKOST

Camlica Genclik darf wieder am Spielbetrieb teilnehmen. "Die Spieler stehen zu den Fehlern, die sie gemacht haben, aber gegen Ungerechtigkeiten muss man sich wehren", erklärte Camlicas Anwalt Thomas Hansen-Siedler nach der Sportgerichtsverhandlung am Mittwoch und zeigte sich "unterm Strich zufrieden". Nach einem Spielabbruch am 18. Oktober war der nach einem Istanbuler Stadtteil benannte Klub am 21. Oktober vom Hamburger Fußball-Verband vom Spielbetrieb suspendiert worden. Fünf Spieler wurden vorläufig gesperrt. Schiedsrichter Jan-Erik S. hatte die Partie beim SV Wilhelmsburg in der Halbzeit abgebrochen. Laut seinem Bericht kam es nach zwei gelb-roten Karten von Spielern und Zuschauern zu Äußerungen wie "Affe, nimm deine braune Brille ab", "Seht zu, dass ihr wegkommt" und "Immer dasselbe mit euch Türken". Ein Schiri-Assistent wurde von einer PET-Flasche am Hinterkopf getroffen, Camlica-Spieler Sergio M. soll den Schiedsrichter in den Oberarm gebissen haben. Vorm Sportgericht wird klar: Das Vorpreschen des Verbands war angesichts zahlreicher Gewaltausbrüche auf Hamburger Plätzen vielleicht gut gedacht, aber kaum gut gemacht. Camlicas Widerspruch gegen die Suspendierung wird vorab vom Verband wegen Formfehlern entsprochen. Danach wird das Verfahren gegen Kujo T. eingestellt, Harun C. erhält eine inzwischen abgelaufene Sperre. Murat D., der unter anderem eine Flasche ziellos geworfen haben soll, wird bis zum 18. November gesperrt. Gegen den mutmaßlichen Oberarmbeißer M. wird am 11. November weiterverhandelt. Ebenso gegen Ugur E., der einem Zuschauer Finger ins Auge gedrückt haben soll. Nach seinen Angaben handelt es sich um eine Verwechslung mit Mitspieler Canan N. "Der ist allerdings blond und hat Haare, nicht wie ich", spottete der kahlköpfige N. Auch dies soll im November geklärt werden. Noch besteht wegen drei beschädigter Kabinentüren in Wilhelmsburg ein vom Bezirksamt ausgesprochenes Platzverbot für Camlica in Hamburg-Mitte, das das Spiel am Sonntag beim FC Porto verhindert. "Wir werden dem Bezirksamt unseren Spieler, der vor Wut gegen die Tür geschlagen hat, mitteilen und uns um die Reparatur kümmern", kündigte Anwalt Hansen-Siedler an. "Es gibt positive Signale, aber auch noch den Bedarf, sich zusammenzusetzen", erklärte eine Sprecherin der Behörde.