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Medienbüro Hamburg

Neue Bücher über Angststörungen

Erschienen am 28.12.2004 in "Neues Deutschland"

Selbsthilfe gegen Ängste

Von Britta Warda

In diesem Herbst sind zahlreiche Bücher über die Angststörungen auf den Markt gekommen. ND stellt einige vor.

Der Psychologe Prof. Borwin Bandelow hat mit seinem Angstbuch einen umfassenden Ratgeber für Betroffene und Interessierte auf den Markt gebracht. In den letzten Jahren wurden im Bereich der Angstforschung zahlreiche neue Erkenntnisse über die Entstehung der Krankheit gewonnen, über die man sich hier informieren kann.
Die Angst als soziologisches Phänomen ist Thema von Alain de Bottons »Statusangst«. Das Streben nach Geltung, Macht und Reichtum sowie die Sorge vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit spielen eine zentrale Rolle in unserem Zusammenleben. Mit der Panik, die eine mangelnde Anerkennung unserer Mitmenschen in uns auslösen kann, beschäftigte sich schon William James in seiner Publikation The Principles of Psychology 1890: »Eine teuflischere Strafe, wenn sie denn physisch möglich wäre, könnte nicht ersonnen werden als die, in die Gesellschaft entlassen und von all ihren Mitgliedern vollkommen ignoriert zu werden.« De Botton dreht ein kulturhistorisches Kaleidoskop rund um das Thema »Haben und Sein«. Dabei greift er auf ein beachtliches Wissen zurück. Sein Ziel: dem Leser zeigen, wie wechselhaft die Vorstellungen vom perfekten Menschen waren, und wie wenig das Streben nach einem scheinbaren Ideal mit den wirklichen Bedürfnissen zu tun hat. Das Buch ist intelligent geschrieben und trotzdem kurzweilig. Illustrationen runden den positiven Gesamteindruck ab.
Die Sat-1-Psychologin Angelika Kallwass verspricht mit ihrem Titel »Stark gegen die Angst… wir finden einen Weg« viel und hält wenig. Kallwass und ihre Co-Autorin Caroline Rusch bedienen mit plakativen Fallbeispielen voyeuristische Klischees – von der Spinnenphobie bis zur sozialen Angst. In 15 Kapiteln werden die bekanntesten Ausprägungen abgearbeitet. Am Ende einer jeden Schilderung halten die Psychologinnen einen durchschnittlich drei Sätze umfassenden Ratschlag bereit. Dem 30-Jährigen, an einer Bakteriophobie leidenden Jens wird beispielsweise der Auszug aus dem von seiner putzsüchtigen Mutter dominierten Haushalt ans Herz gelegt. So einfach ist das?
Mit der Angst, den heutigen Anforderungen im Job nicht zu entsprechen, beschäftigt sich – unter anderem – Magdalena Ungers Buch »Die Angst bändigen, souverän bleiben«. Die Autorin bezeichnet ihr Buch als kleines Selbsthilfeprogramm, um Stress und Ängste besser zu bewältigen. Der Tonfall des Textes ist zum Teil recht pathetisch und driftet häufig ins Esoterisch-Spirituelle ab. Wer sich davon nicht stören lässt, findet hier Anleitungen zu Atemübungen, die im Alltag jederzeit ausgeführt werden können – sogar im Büro. Ob sie auch tatsächlich positiv wirken, muss der betroffene Leser selbst ausprobieren.


INFO
Borwin Bandelow: Das Angstbuch, Rowohlt, Hamburg 2004, 384 Seiten, 19,90 Euro
Alain de Botton: Statusangst, S. Fischer Verlag ; 336 Seiten, geb., 19,90 Euro
Angelika Kallwass: Stark gegen die Angst, wir finden einen Weg, Kreuz, 160 Seiten, pb., 14,90 Euro
Magdalena Unger: Die Angst bändigen, souverän bleiben, Beltz Verlag, 159 Seiten, br., 19,90 Euro