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Buchrezension: "Konsum, Terror und Gesellschaftskritik - eine Tour d'horizon" (Ulrich Enderwitz)

Erschienen in "analyse & kritik" 1/2006

Das Spiel des Antisemitismus mitspielen

Von Susann Witt-Stahl

Mit Ulrich Enderwitz’ Essay „Konsum Terror und Gesellschaftskritik“ komplettiert der Unrast-Verlag die Trilogie über die tragische affirmative Wende, die Teile der deutschen Linken im Windschatten der neoliberalen Großoffensive für eine radikale Entfesselung der Marktkräfte vollzogen haben.
Die Wesensbestimmung der „Antideutschen Ideologie“, die Robert Kurz 2003 vorgenommen und an die Gerhard Hanloser mit seiner Textsammlung „zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik“ angeknüpft  hatte, ergänzt Enderwitz nicht nur mir einem „Versuch, den Zusammenhang zwischen chronischen Absatzproblemen der spätkapitalistischen westlichen Gesellschaften und ihrer panischen Terrorismuskampagne herauszuarbeiten“ – das Traktat ist vor allem eine Abrechung eines ehemaligen Favoriten der „Antideutschen“ mit der Sekte ehemaliger Linker, die angetreten sind, dem „Konstrukt einer manichäischen Trennung zwischen Kapitalismus und Faschismus, Muttersystem und systemsprengender Ausgeburt, demiurgisch geordneter Welt und satanisch gegenweltlicher Schreckensherrschaft Plausibilität und Geltung zu verschaffen“.
Dass der Antisemitismusforscher fertig ist mit den „Antideutschen“ – die er aus dem alles andere als plausiblen Grund, dass sie selbst sich als solche ausgeben, „Kritische Theoretiker“ nennt – wird endgültig deutlich, als er ihnen vorwirft, sie hätten einen „Tabubruch“ begangen und würden „das Spiel des Antisemitismus mitspielen“ , indem sie „dem bösen Juden, den er als Popanz, hinter dem sich die wirklichen Konflikte verbergen lassen, hochhält, den guten Juden, der den Popanz aus dem Feld schlagen soll, entgegensetzen“.        
Auch wenn Enderwitz’ unentwegt hämmernd brachiale Wortgewitter zuweilen auf die Nerven gehen und seine „Tour d’ horizon“, wie er zum Schluss selbst einräumt, zur Tour de force geraten lassen: Sein Versuch ist mindestens so gelungen, dass er bei dem „antideutschen“ Chefideologen Joachim Bruhn einen schweren Sprechdurchfall ausgelöst hat, der von dem geduldigsten aller Papierlieferanten „Bahamas“ in Form einer ebenso end- wie wahllos erscheinenden Aneinanderreihung der aberwitzigsten Unterstellungen gegen den nestbeschmutzenden Autor festgehalten wurde.

Ulrich Enderwitz – Konsum, Terror und Gesellschaftskritik. Eine Tour d’horizon. Unrast, Münster 2005, 124 S., 12 Euro