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Windenergie 2006: Weltweite Nachfrage nach Windkraftanlagen

Erschienen am 19.5.2006 in "Neues Deutschland"

Zukunft liegt auf hoher See

Messe »WindEnergie 2006« informiert über Trends der Branche

Von Britta Warda

Die große Nachfrage nach Turbinen für Windkraftanlagen führt zu Lieferengpässen und Arbeitskräftemangel.

Offshore-Anlage
Exponat in Hamburg: das Maschinenhaus einer Offshore-Anlage
(Foto: Warda)

Kontinuierlich steigende Öl- und Gaspreise machen die Windenergie-Branche zu einem immer attraktiveren Wirtschaftszweig. Nicht zuletzt um sich langfristig aus der Abhängigkeit von den Ölnationen zu befreien, setzen immer mehr Staaten auf die alternative, brennstofffreie Energie-Gewinnung. Während in den 90er Jahren nur wenige Märkte – Dänemark, Deutschland, Spanien und Kalifornien – existierten, werden Windkraftanlagen mittlerweile auf allen Kontinenten eingesetzt.
»Heute schon besteht weltweit eine installierte Leistung von 60 000 Megawatt. Unser Ziel ist es, dieses Volumen bis zum Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln«, erklärte Professor Arthouros Zervos, Präsident der Europäischen Windenergie-Vereinigung (EWEA), auf der Messe »WindEnergie 2006«, die noch bis Freitag in Hamburg ihre Tore geöffnet hat. In der EU werden derzeit drei Prozent des benötigten Stroms aus Windkraft gewonnen. »Bis zum Jahr 2030 könnten 22 bis 25 Prozent erreicht werden«, prognostiziert Zervos. Um diese Menge an Energie aus Wind zu erzeugen, benötige man eine Fläche von etwa einem Prozent der Landmasse.
Doch der Einsatz der Turbinen an Land ist nicht zuletzt wegen der störenden Bewegungen der Rotationsblätter nicht unumstritten. Die Zukunft der Windenergie liegt nach Expertenmeinung auf dem Meer. Daher arbeitet die Branche derzeit intensiv an der Optimierung der Anlagen und der Logistik, um den Anforderungen für den Einsatz auf See gerecht zu werden. Vor den Küsten von Dänemark, Schweden, Irland und England liefern erste Windparks bereits Strom mit einer installierten Leistung von 680 Megawatt.
»Im Bereich der Offshore-Technologie hängt Deutschland bisher in der Entwicklung hinterher«, erklärt Norbert Giese, Vorsitzender der Windenergiebranche im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das soll sich bald ändern: Bis zum Jahr 2007 wird die erste deutsche Offshore-Anlage gebaut und in der Ostsee bei Rügen in Betrieb genommen.
Doch Deutschland muss noch mehr leisten, um seine Stellung unter den Top-Playern der Branche zu behaupten: Vor allem ist es dringend notwendig, die Einbettung der Windenergie in das Stromversorgungsnetz zu optimieren. »Die Systemintegration spielt eine zentrale Rolle beim Ausbau der Windkraft. Wir müssen dafür sorgen, dass wir verlässliche Prognosen erstellen können und in der Lage sind, die erzeugte Energie effektiv zu speichern«, sagt Professor Oliver Weinmann von der Vattenfall Europe Renewables GmbH. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um die Windenergie effektiv nutzen zu können.
Der Ausbau der Offshore-Anlagen und der stetig steigende Export führt derzeit zu Lieferengpässen. Die Nachfrage ist so groß, das sich die Wartezeiten in der Zuliefer-Industrie von vormals 8 bis 12 Monaten auf 14 bis 18 erhöht haben. Und die Preise für die Anlagen sind aufgrund der Nachfrage um zweistellige Prozentbeträge in die Höhe geschnellt. Gleichzeitig werden händeringend Arbeitskräfte gesucht. Schon heute sind weltweit etwa 150 000 Menschen für die Windindustrie tätig. Allein in Deutschland sind es nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) 64 000 Beschäftigte.
Durch den Ausbau der Offshore-Windenergie könnten in den nächsten Jahren 20 000 neue Arbeitsplätze entstehen. »Die Kapazitäten der Hersteller und Zulieferer sind ausgelastet, die Auftragsbücher voll«, berichtet Johannes Schiel, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Windenergie-Zulieferindustrie des VDMA, es werden »dringend Fachkräfte für fast alle Bereiche im In- und Ausland gesucht«. Auch die Hochschulen reagieren mittlerweile auf die Situation. So hat die Windenergie Agentur Bremerhaven/Bremen e. V. gemeinsam mit der Stadt Oldenburg einen Weiterbildungsstudiengang »Windenergietechnik« entwickelt. An der Universität Stuttgart wurde kürzlich der erste deutsche Lehrstuhl für Windenergie eingerichtet.

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