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Schließung der „Schaufenster des Kolonialismus“? Tierrechtler demonstrierten gegen den Lübecker Zoo

Erschienen am 16.7.2007 in den "Kieler Nachrichten"

Schließung der „Schaufenster des Kolonialismus“?

Tierrechtler demonstrierten gegen den Lübecker Zoo

Von Volker Stahl

Banner mit Aufschriften wie „Artgerecht ist nur die Freiheit!“ ließen keine Zweifel aufkommen: Bei den rund 200 Menschen, die sich am Samstag auf dem Marktplatz in Lübeck versammelt hatten, handelte es sich nicht um gewöhnliche Tierschützer, sondern um Aktivisten der Tierbefreiungsbewegung.

Die Polizei reagierte entsprechend nervös und ging zum Teil mit unverhältnismäßiger Härte gegen die Zoo-Gegner vor. Als der angemeldete Protestzug sich durch die Innenstadt bewegte, griffen die Beamten immer wieder die sich friedlich verhaltenden Demonstranten an und versuchten, ihnen ihre Transparente zu entreißen. Ein Aktivist wurde niedergeschlagen und musste mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Seit 1989 sorgt der Tierpark Lübeck wegen seiner katastrophalen Haltungsbedingungen für die dort zur Schau gestellten Tiere immer wieder für Proteste von Tierfreunden. In dem Ranking einer im Jahr 2000 von dem Magazin Stern in Auftrag gegebenen Studie über Tierparks in Deutschland landete der Privatzoo auf dem letzten Platz. Das vernichtende Urteil von Wildtierforschern und anderen Experten: „Miserabel“. Insbesondere die Unterbringung der Schimpansen sei „erschreckend“. Der „tiergärtnerische Gesamteindruck“ der Anlage: „Verheerend“.

Das bereits Mitte der 1990er Jahre gegen den Betreiber verhängte Verbot der Nachzucht und des Zukaufs von Wildtieren reicht den Tierbefreiungsaktivisten nicht. Sie fordern die Schließung des Tierparks. Zoos seien „Schaufenster des Kolonialismus“, so ein Sprecher des Bündnisses von Tierrechtsgruppen, das zu der „Antispeziesistischen Norddemo“ gegen den Tierpark aufgerufen hatte. „Die Geschichte der Zoos ist eine Geschichte der Ausbeutung und Versklavung von Tieren.“ Dass diese Einrichtungen notwendig seien, weil sie vom Aussterben bedrohten Tierarten als Arche Noah dienen, wie viele Befürworter behaupten, ist nach Ansicht der Tierrechtler ein Mythos: „In Wahrheit handelt es sich um profitorientierte Unternehmen, die Tiere zur bloßen Ware degradieren.“
Nichtmenschliche Tiere werden hier wie auch in anderen Bereichen der Tierausbeutung zu Objekten der kapitalistischen Warengesellschaft gemacht.

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