stahlpress

Medienbüro Hamburg

Der Kampf der Ursula Caberta gegen Scientology

Erschienen am 08.08.2007 in "Kieler Nachrichten"

Der Kampf der Ursula Caberta gegen Scientology

Von Volker Stahl

Hamburg – Ein Psycho-Konzern schmiedet – ungewollt – seltene Koalitionen. So saßen die ehemalige SPD-Linke und WASG-lerin Ursula Caberta und der konservative Hamburger Innensenator Udo Nagel (parteilos) Schulter an Schulter auf dem Podium. Ihr gemeinsamer Gegner: die Scientology-Organisation (SO).

Caberta, die seit 1992 über die autoritäre Sekte aufklärt, stellte gestern ihr „Schwarzbuch Scientology“ (Gütersloher Verlagshaus, 17,95 Euro) vor, für das der bayerische Innenminister Günther Beckstein das Vorwort verfasst hat.

Scientology
Fordern Verbot: Ursula Caberta und Udo Nagel. Foto vs

Ursula Caberta ist eine impulsive Frau. Als sie im Hamburger Rathaus gefragt wurde, ob die 750 vom Verfassungsschutz geschätzten Scientologen – bundesweit sind es knapp 6000 – wirklich eine Gefahr darstellten, redet sich die Autorin in Rage: „Ich kenne keine extremistische Organisation, bei der die Gefährlichkeit an der Mitgliederzahl festgemacht wird – außer Scientology.“ Ihr Chef, Senator Nagel, dessen Innenbehörde die 1992 zu Zeiten der SPD-Regierung gegründete Arbeitsgruppe Scientology unterstellt ist, tätschelt der resoluten Caberta den Arm, um sie zu beruhigen.

Seit der „Operierende Thetan“ Tom Cruise als Darsteller des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg verpflichtet wurde und der Fall der beiden vor der Einweisung in ein Scientology-Internat geflohenen Kinder der Berliner Scientology-Direktorin durch die Medien geistert, kann sich Caberta vor Anfragen kaum retten. Immer wieder muss sie erklären, dass die Aktivitäten der Scientologen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, Mitglieder einer Art Gehirnwäsche unterzogen und finanziell ausgebeutet werden.

Caberta verweist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln: „Das besagt, dass die SO Gegnern in ihrer Lehre und mit ihrem Handeln die Menschenwürde abspricht.“ Erst im Juli hatte sie ein juristisches Scharmützel gegen ihren Lieblingsfeind gewonnen. Laut OVG Hamburg darf Caberta weiter verbreiten, dass die Behauptung, Kinder hätten in der SO ein ganz normales Leben, als widerlegt angesehen werden kann.

Die Ablehnung der parlamentarischen Demokratie durch die SO nahm der Hamburger Innensenator zum Anlass, seine Forderung des Verbots von Scientology zu erneuern. Begründung: „Die angestrebte Abschaffung der Meinungsfreiheit, die Außerkraftsetzung der Menschenrechte und das Lehre gewordene wahnhafte Gedankenkonstrukt eines amerikanischen science-fiction-Autors.“ Damit meint Nagel den 1986 verstorbenen SO-Gründer L. Ron Hubbard.

Während Nagel von Bundesländern wie Baden-Württemberg und vom bayerischen Innenminister Günther Beckstein Unterstützung bekommt, plädiert Andreas Fincke von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen für „mehr Augenmaß“. Scientology vertrete zwar eine „böse und aggressive sozialdarwinistische Ideologie“. Aber selbst wenn die Scientologen es wollten, werde die Organisation nicht morgen die Macht in Deutschland übernehmen können. In Schleswig-Holstein stellt sich die Lage anders dar als in Hamburg. Zu Scientology und der Verbotsdiskussion sagte Regierungssprecher Christian Hauck: „Es hat bisher keine Positionierung der Landesregierung zu dem Thema gegeben, weil wir kein signifikantes Problem haben.“ Dies zeige auch die geringe Zahl von Anfragen, die in der Staatskanzlei eingingen.

home