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Neue Nachbarn für den Telemichel

Erschienen am 20. Juli 2006 in "Kieler Nachrichten"

Neue Nachbarn für den Telemichel

Direkt unterhalb des Hamburger Fernsehturms wird die Ausstellungsfläche für die Messe erweitert

FernsehturmHamburg - Rund um den Fernsehturm – Hamburger sagen: Telemichel – wird zurzeit kräftig gewerkelt. Seit dem Frühjahr 2004 sind bis zu 220 Arbeiter mit dem Bau zur Erweiterung der Messe beschäftigt. Die Ausstellungsfläche wird bis 2008 um 30 Prozent auf 84 000 Quadratmeter vergrößert. Mit der gleichzeitigen Modernisierung des Congress Centrum Hamburg (CCH) ist die Elbmetropole auf dem Weg, sich zu einer der modernsten Messe- und Kongressstädte Europas zu mausern.

Von Volker Stahl und Britta Warda

„Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben und weiter zu wachsen, ist der Bau der neuen Messe unerlässliche Voraussetzung“, erklärt Dietmar Aulich, Geschäftsführer der staatlichen Hamburger Messe und Congress GmbH (HMC). Die alten Hallen erfüllten nicht mehr die Anforderungen an einen modernen Messebetrieb. Die Stadt musste fürchten, dass die Veranstalter an andere Orte abwandern.

Hamburg ist als internationaler Messestandort seit langem etabliert. Die erste Ausstellung fand 1921 statt. Damals wurde die Hotel- und Gastwirtmesse, heute „InternorGa“, noch in der Ernst-Merck-Halle ausgerichtet. Das eigentliche Messegelände entstand nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Areal des 1935 angelegten Erholungsparks Planten und Blomen. Heute finden hier 40 Veranstaltungen pro Jahr mit einer Million Besuchern statt.

Der Messebetrieb ist für die Hansestadt ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Allein 25 Prozent aller Übernachtungen gehen jährlich auf das Konto der Besucher. Auch Restaurants, Theater und der Hafentourismus profitieren von den Gästen. Dietmar Aulich hofft, dass ihre Zahl in Zukunft noch kräftig steigen wird: „Bis 2015 wollen wir unseren heutigen Umsatz verdoppeln“, lautet seine ehrgeizige Zielvorgabe.

Neben der HafenCity ist die „Neue Messe“ Hamburgs größtes aktuelles Bauprojekt. Insgesamt 330 Millionen Euro werden die Arbeiten verschlingen. Die Stadt trägt davon 22 Millionen für die Verkehrsinfrastruktur. Den Rest bezahlt die HMC, die das Projekt von der Investorengruppe MOLITA vorfinanzieren lässt.

Die Hälfte der Arbeit ist bereits vollbracht: Im Osten, auf dem alten Messegelände, sind die Abbrucharbeiten an den alten Hallen zurzeit im vollen Gang. Nur vier der vormals zwölf Gebäude bleiben stehen, der Rest wird durch Neubauten ersetzt. Die Halle B6 – mit rund 13.000 Quadratmetern die größte - ist im Bau. Im März 2007 wird hier die InternorGa stattfinden.

Auf dem neuen Gelände westlich der Karolinenstraße, auf dem sich früher der Schlachthof befand, stehen bereits drei hochmoderne Hallen (A1-A3), die ihre Feuertaufe bereits bestanden haben. Die schmucken Giganten mit ihren wellenförmigen Dächern und der transparenten Glasfassade wurden vom Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven entworfen. Auch der futuristische Fußgängertunnel zwischen der neuen Halle A1 und der alten Halle 9 ist fast fertig. Eine vierte Halle und drei Verwaltungsgebäude werden in direkter Nachbarschaft zum Fernsehturm errichtet.

Die Arbeiten sind für den in den 1960er Jahren entstandenen Telemichel nicht ungefährlich. „Abriss- und Neubauarbeiten an dieser Stelle sind deshalb sehr schwierig, weil wir sehr nahe an den Fernsehturm heran müssen. An der dichtesten Stelle beträgt der Abstand gerade einmal 25 Meter", erklärt Projektleiter Klaus Helbing. Damit der mit Antenne 271,5 Meter hohe Riese keinen Schaden nimmt oder gar umkippt, überwachen modernste Messinstrumente die Statik und registrieren die kleinste Bewegung. Bisher blieb der Turm stabil, auch als in direkter Nähe ein rund 500 Meter langer Logistiktunnel gegraben wurde, der das alte mit dem neuen Gelände verbindet.

Der Heinrich-Hertz-Turm, so der offizielle Name, fungiert nicht nur als Wahrzeichen der Stadt. „Er ist unser wichtigstes Infrastrukturgebäude, ohne das in Hamburg der Mobilfunk, das Festnetz, Fernsehen, Polizei- und Zollfunk weitgehend lahm gelegt wären“, erklärt Peter Kespohl, Sprecher der Deutschen Funkturm GmbH.

Bis 2001 beherbergte das Gebäude in luftiger Höhe ein Drehrestaurant – früher eines der attraktivsten Ausflugsziele der Stadt. Eine Neueröffnung wird es jedoch nicht geben: Der Brandschutz entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen. Potentielle Pächter werden zudem von den exorbitant hohen Betriebskosten abgeschreckt – 40 000 Euro monatlich sind nicht zu wuppen.