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Ringo und die Reeperbahn

Erschienen am 04.11.2008 in den "Kieler Nachrichten"

Ringo und die Reeperbahn

Private Investoren wollen an die Hamburger Zeit der Beatles erinnern

Von Volker Stahl

»Yeah, yeah, yeah« – die Beatles bekommen in der Stadt, die sie groß gemacht hat, ein Museum. »Wir wollen ›Beatlemania‹ spätestens in drei Monaten eröffnen«, sagte Folkert Koopmans von der federführenden Agentur FKP am Montag in Hamburg. Standort der Dauerausstellung ist das ehemalige Erotic Art Museum an der Ecke Reeperbahn/Nobistor. Erst im September hatte die Hansestadt die Pilzköpfe einen Gitarrenwurf entfernt mit dem Beatles-Platz geehrt.

Die Beatles haben seit ihrem ersten Auftritt im Konzertsaal an der Großen Freiheit im August 1960 eine ganze Generation verzaubert. Die Hamburger Stationen hießen »Star Club«, »Indra Club«, »Kaiserkeller«. Brave Schlipsträger mutierten zur kreischenden Masse, Mädchen fielen in Ohnmacht. Teenager Matthias Höllings wurde 1966 während eines Live-Auftritts in der Ernst-Merck-Halle vom Beatles-Virus infiziert. Fortan sammelte er alles zu seinen musikalischen Helden und – ganz wichtig – warf nichts weg. »Irgendwann sagten Bekannte, das müsste man doch mal ausstellen!«, erinnert sich Höllings. Gesagt, getan. Der Jäger und Sammler entwickelte ein Konzept und suchte sich Mitstreiter, um seinen Traum zu realisieren.

Heute stehen »vier Mann und eine Frau für eine Idee«, verkündet die Agentur. Neben dem Finanzier Folkert Koopmans (»der Etat beträgt zwei Millionen Euro«) sind die ehemalige Geschäftsführerin des Musikclubs Große Freiheit 36, Ulrike Salten als Projektleiterin, Beatles-Experte Ulf Krüger als Berater und Uwe Blaschke im Boot. Der gilt laut Krüger als »einer der bedeutendsten Beatles-Sammler der Welt«. Das Quintett will in der Beatlemania Hamburg, so der offizielle Titel, auf 1500 Quadratmetern Erlebniswelten rund um das Phänomen in einer unkonventionellen, lebendigen Form präsentieren. Auf fünf Etagen wird zu einer Zeitreise durch die Welt der Beatles eingeladen. »In Anspielung auf das letzte Konzert der Band auf dem Dach eines Büros in London startet der Besucher nach einer Fahrstuhlfahrt in der fünften Etage und läuft durch das Treppenhaus wieder nach unten«, erläutert Höllings den Clou seines Konzepts.

Die auf mindestens drei Jahre angelegte Schau soll in zwölf Themenbereiche untergliedert werden. Sie verfolgt die Spuren von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr in Hamburg und erinnert an die ehemaligen Band-Mitglieder Stuart Sutcliffe (starb 1962) und Pete Best, der 1962 durch Starr ersetzt wurde. Um die Zeit der frühen 1960er Jahre aufleben zu lassen, werden alte Hausfassaden aus Pappmachee nachgebildet und das Star-Club-Büro, in dem die »Fab Four« ihre Verträge unterschrieben und ihr Honorar erhielten, wieder aufgebaut. Die Wände werden mit zahlreichen Originaldokumenten gespickt sein. »Im Kellerraum betritt der Besucher einen imaginären Club«, erzählt Höllings, »und kann dabei Backstage-Atmosphäre schnuppern.« Ein besonderer Gag ist dem britischen Humor geschuldet: Das nur im Song existierende »Yello Submarine« soll »originalgetreu« nachgebaut werden. Weitere Themen sind die Geschichte des legendären St.-Pepper's-Konzeptal- bums und das Abbey-Road-Studio.

Autor, Musiker und Produzent Ulf Krüger ist Garant dafür, dass bei der Präsentation, die jährlich 250 000 Besucher (Eintritt: zehn Euro) locken soll, nichts schief geht – wie zur Einweihung des kreisrunden Platzes geschehen. Dort wurden 70 Beatles-Songs in die Rillen aus gebogenen Stahlbändern eingraviert. Einige waren falsch geschrieben. Statt »Drive My Car« hatten Mitarbeiter eines Handwerkbetriebs »Drive Me Car« gedichtet. Vielleicht hat Paul McCartney davon gehört und ist skeptisch geworden. Zur Eröffnung wird er jedenfalls nicht erwartet. Sein Label Apple dulde die Hamburger Beatlemania aber, so die Initiatoren etwas zerknirscht.

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Foto: Volker Stahl
www.beatlemania-hamburg.com